Maedchengruppe

MutKokon – Empowerment für migrantische Frauen und Mädchen

MutKokon ist ein Projekt in Bad Belzig, das verschiedenen Gruppen von Frauen einen Vertrauensraum bietet

Eine Gruppe Mädchen, 14 bis 19 Jahre alt, einige blond, andere tragen Kopftuch, sitzt im Kreis, in der Mitte liegen Karten mit verschiedenen Motiven und Wörtern, die unterschiedliche Gefühle ausdrücken. Jedes der Mädchen greift sich eine Karte, dann fangen sie an zu erzählen, warum sie die bestimmte Karte ausgewählt haben. Sie öffnen sich, erzählen, was sie gerade beschäftigt, sprechen über ihre Gefühle. „Oft entwickeln sich daraus schon lange Gespräche und Diskussionen“, sagt Annemarie Schütte, kurz Ami. Sie leitet die interkulturelle Mädchengruppe an, gibt Impulse, moderiert. Alle zwei Wochen stellt sie einen Raum zur Verfügung, einen Safer Space, wie sie es nennt. Es kommen immer zwischen 10 und 18 Mädchen. Das Ziel: durch interkulturelle Begegnungen neue Perspektiven eröffnen, voneinander lernen, lernen, sich zu öffnen und vor allem eine tiefe Auseinandersetzung mit Themen, die die Mädchen bewegen. „Es ist ein Safer Space für alle Mädchen, um sich mit Fragen des Aufwachsens zu beschäftigen, mit ihrem Platz in der Welt.“ Sie können hier über Pubertät und körperlichen Veränderungen sprechen, über Schönheitsideale, Beziehungen, Freundschaft, Sexualität. Die Mädchen mit Migrationsgeschichte seien manchmal etwas zurückhaltender, zuletzt habe aber eine von ihnen spontan eine gute Stunde über Sexualität im Islam geredet. Nach der Gesprächsrunde über den eigenen Körper sind alle zusammen in die Boulderhalle gefahren.

Ami Schütte hat bei allem, was sie tut einen ganzheitlichen Blick auf die Dinge, vor allem auch auf das Zusammenspiel von Geist und Körper. Dass Menschen für ihre persönliche Entwicklung in Verbindung mit ihrem Körper kommen, hält sie für zentral. „Nur so kann ich erkennen, was meine nächsten Schritte im Leben sind, was mir persönlich wichtig ist, wo meine Kraft liegt. Um dann mit Mut die eigene Zukunft in die Hand zu nehmen.“

Die Mädchengruppe ist nur ein Teil ihres Projektes MutKokon, das verschiedenen Gruppen von Frauen mit Migrationserfahrungen einen Vertrauensraum bietet, einen Kokon eben. Neben den Mädchen bringt sie Frauen mit Migrationserfahrung mit Elementen aus Yoga und Tanz sowie Gesprächsrunden in ihre Selbstwirksamkeit. Dabei lässt sie ihre eigenen Erfahrungen der vergangenen Jahre einfließen. Ihre Arbeit mit geflüchteten Menschen, die sie bereits 2016 begonnen hat, ihre Tanz-Ausbildung und ihre Arbeit mit Methoden aus der „Anti-Bias- und Empowerment-Arbeit sowie der traumasensiblen Gruppenarbeit mit Selbst- und Körpererfahrung“. Psychoedukation über den Körper, nennt sie das.

In einem dritten Teil des Projekts begleitet sie drei Frauen aus Afghanistan, als Expertinnen, z.B. für die Themen Frauenrechte und Rassismus, selbst Workshops zu geben und sich möglicherweise eine Existenz damit aufzubauen. „Ziel ist es, den Frauen zu ermöglichen in der deutschen Mehrheitsgesellschaft aufzutauchen als Expertinnen für diese Themen.“

Grundsätzlich geht es Ami Schütte um Empowerment. „Ich möchte Räume schaffen“, sagt sie, „in denen alle, die mitmachen, tiefer mit sich selbst, mit den eigenen Bedürfnissen, Wünschen, Träumen, Sehnsüchten, mit ihrer inneren Kraft, aber auch ihrer Verletzlichkeit verbunden sind. Und dass sie daraus mit Mut und Stärke in die Welt treten und mehr für ihre eigenen Bedürfnisse einstehen und sichtbarer werden. Ich glaube fest daran, dass sie dadurch ein erfüllteres Leben haben.“

Artikel von Bastian Henrichs, LAND.Magazin https://landlebtdoch.de/magazines/

 

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Kartenspiel Mädchengruppe

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